Die Geschichte von Schmuck und Ornamenten verschiedener Art ist so alt wie die Geschichte der Menschheit. Die ältesten archäologischen Funde, die von Wissenschaftlern als handgefertigter Schmuck identifiziert wurden, sind sogar 100.000 Jahre alt. Schon früh fingen unsere Vorfahren an, Schmuck herzustellen, den man am Finger tragen konnte. Ringe aus verschiedenen Materialien findet man in praktisch allen Kulturen der Welt, sei es in Europa, Asien oder Afrika. Auch nach Jahrtausenden setzt der Ring seinen Siegeszug als beliebtestes Schmuckstück fort. Grund dafür ist neben der Zeitlosigkeit auch die große Symbolkraft von Ringen. Ob als Zeichen der Freundschaft, Liebe oder Erinnerung – Ringe bewegen und verzaubern Menschen aller Altersgruppen und Kulturkreise bis heute.

Ringe im Lauf der Geschichte

Die Geschichte des Rings ermöglicht tiefe Einblicke in die menschliche Entwicklungs- und Kulturgeschichte. Mit den Jahrtausenden hat die gesellschaftliche Bedeutung und Relevanz von Ringen einen großen Wandel durchlaufen: von einem wichtigen gesellschaftlichen Statussymbol hin zu einem individuell gestalteten Schmuckstück als Ausdruck der eigenen Persönlichkeit.

Die ältesten gefundenen Ringe bestanden aus Knochen, Elfenbein, Holz und Stein. Später entwickelten unsere Vorfahren Schmuck aus Bronze, Edelmetallen, Eisen und Glas.

In der Antike dienten Ringe vor allem als Siegel und damit als wichtige Symbole der Macht. Der Ring des Papstes, der sogenannte Fischerring, ist ein gutes Beispiel für die ungeheure Macht eines einzigen Schmuckstücks: der Siegelring zählt seit dem 14. Jahrhundert zu den wichtigen Insignien des Kirchenoberhauptes und wurde verwendet, um päpstliche Schreiben offiziell zu besiegeln. Auch allgemein waren Siegelringe lange Zeit ein markantes Attribut von Machthabern und Privilegierten.

Im Mittelalter waren Ringe vor allem Statussymbole: sie gaben wichtige Hinweise über den Stand und Reichtum seines Trägers. Doch auch Menschen unterer Gesellschaftsschichten nutzen bereits Ringe aus Bronze und Goldimitate.

Im Laufe der Geschichte wurden Ringe auch mit besonderen Eigenschaften versehen. So gab es funktionale Ringe, in denen sich Parfum oder Reliquien verstecken ließen – oder sogar Gift. Diese überraschenden Zusatzfunktionen sind vielleicht mit ein Grund für die Faszination der Ringe und die Entstehung abenteuerlicher Geschichten.

Mit zunehmenden Fortschritt entwickelte sich der Ring immer mehr zum persönlichen Ausdrucksmittel. Das lag nicht zuletzt daran, dass günstigere Materialien den Schmuck für jeden erschwinglich machten. Diese Entwicklung kann man zum Beispiel in den 60ern und 70ern beobachten, als Ringe zu populären, häufig getragenen Modeaccessoires von Männern und Frauen wurden.

In anderen Kulturkreisen, zum Beispiel in Indien, sind Ringe nicht nur Statussymbol und Schmuck, sondern magische Gegenstände, die den Träger vor Unglück schützen und zu Glück und Wohlstand verhelfen sollen. Ein vedischer Astrologe erstellt zunächst ein persönliches Horoskop seines Kunden und wählt dann die entsprechenden Edelmetalle und Edelsteine, die die Wirkung von negativen Planeten schwächen und positive Einflüsse stärken sollen. Somit ist jeder Schmuck völlig individuell und angepasst an die jeweilige Situation seines Trägers. Diese Jahrhunderte Tradition ist bis heute weit verbreitet und einer der wichtigsten Bereiche der indischen Astrologie.

Lange Tradition der Eheringe

Trauringe in GelbgoldDer meistgetragene Ring ist für viele Erwachsene ist immer noch der Ehering. Auch seine Geschichte reicht zurück bis in die Antike. Meistens bestand der Ring aus Eisen und wurde von Frauen getragen. Damals war der Schmuck ein Indiz für Bindung, galt aber vor allem als Zeichen, zu welchem Mann bzw. zu welcher Familie eine Frau gehörte. Liebe spielte bei den damaligen Eheschließungen eine untergeordnete Rolle. Der Ring war also weniger Ausdruck von Liebe als ein gesellschaftliches Zeichen.

Um 850 nach Christus wurde der Ehering dann zunehmend zu einem kirchlichen Symbol, das für Treue und Beständigkeit stand. Mit der Zunahme von Liebeshochzeiten wurde der Ring im Laufe der Jahrhunderte immer mehr zu einem Symbol der persönlichen Bindung und Liebe. Dabei ist interessant: In Deutschland und trägt man den Ehering am Ringfinger der rechten Hand, wobei die Hand je nach Land und Kulturkreis wechselt.

Der Herr der Ringe – Ringe in der Weltliteratur

Die wichtige gesellschaftliche und symbolische Bedeutung von Ringen lässt sich auch in der Kunst und im Erzählgut verschiedener Kulturen wiederfinden. In bekannten Volksmärchen und Erzählungen tauchen immer wieder Ringe auf. Allein in der Sammlung von Grimms Märchen gibt es eine Vielzahl von Geschichten, in denen ein Ring eine Rolle spielt. Zu der wohl bekanntesten Ring-Geschichte weltweit gehört der Roman „Der Herr der Ringe“ aus der Feder des britischen Schriftstellers J.R.R. Tolkien. Im Mittelpunkt der abenteuerlichen Handlung steht ein magischer Ring – einer von 20 Ringen der Macht –, der vernichtet werden muss, um die böse Macht des Herrschers Sauron zu besiegen. Diese Geschichte zeigt die große symbolische Bedeutung von Ringen und die große Faszination, die Schmuckstücke auf Menschen haben.

Ringe im 21. Jahrhundert

Heute gibt es Ringe in schier unzähligen Formen, Designs, Materialien und Größen. Neben dem Ehering tragen Menschen verschiedenster Kulturkreise und Nationalitäten Ringe als ausdruckstarken Schmuck, als persönliches Symbol oder auch als Glücksbringer. Für die meisten Ringträger gilt: der Wert des Schmuckstücks bestimmt sich vor allem aus der persönlichen Bedeutung und Geschichte – und diese ist jedes Mal ganz individuell.